Tschick mit dem jungen Theater
Tschick
Von Wolfgang Herrndorf, Bühnenfassung von Robert Koall
Livehörspiel ab 13 Jahren
Spielzeit 90 Minuten, inklusive Nachgespräch mit Klasse, Lehrkraft und Regisseurin, Schauspieler bzw. Theaterpädagogen
„Die Mutter in einer Entzugsklinik, der Vater auf Geschäftsreise mit seiner Assistentin: Maik Klingenberg verbringt die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Doch dann taucht Tschick auf. Tschick, mit vollem Namen Andrej Tschichatschow, stammt aus einem der Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule bis zum Gymnasium geschafft und wirkt nicht gerade wie ein Paradebeispiel für Integration. Zudem hat er einen gestohlenen Wagen dabei. Damit beginnt eine unvergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die glühend heiße deutsche Provinz.“
(Rowohlt Verlag)
Das Ensemble des JTR hat sich für ihre Auseinandersetzung mit dem Text die bewährte Theaterfassung für zwei Schauspieler vom Landestheater Bregenz ausgesucht. In diesem klassischen Coming-of-Age-Roadtrip begeben sich die Figuren auf unbekanntes Terrain. Dabei machen sie Erfahrungen, die sie in ihrer Komfortzone niemals erlebt hätten. Sie lernen voneinander, über sich selbst und über die Welt um sie herum. Zentrale Themen, die für ihr Alter relevant sind, werden angesprochen: Familie, Sexualität, Freundschaft, sozialer Status, Selbstbestimmung und Verantwortung. In dieser Fassung wird die Figur Isa von beiden Darstellern übernommen, was einen besonderen Fokus auf die Frage der sexuellen Orientierung legt.
Als Vehikel durch das Stück dient das gemeinsame Herstellen von Geräuschen, Sounds und Musik. Es ersetzt den gestohlenen Lada in dem Tschick und Mike sich eine neue Welt erschließen. Im Stil eines szenischen Hörspiels wird die Handlung durch verschiedene akustische Mittel unterstützt. Die Spieler müssen sich ihr Repertoire an Klängen im Raum erst erarbeiten, und nach und nach finden sie ihre Möglichkeiten, wodurch das Zusammenspiel immer vertrauter und harmonischer wird. Nach einem großen Crash müssen sich die Protagonisten aus den Einzelteilen wieder zusammensetzen. Die Splitter sind wie funkelnde Artefakte, die als wertvolle Schätze die Zukunft der Figuren bereichern.
Spielerisch steht die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten im Mittelpunkt. Während Mike zunächst Distanz wahrt, ist Tschick die treibende Kraft, die die beiden näher zusammenbringt. Durch seine Risikobereitschaft und Neugier bringt er sie in Extremsituationen, aus denen sie sich gemeinsam befreien müssen. Jeder Etappensieg stärkt die Verbindung zwischen ihnen. Die Spieler übernehmen auch alle anderen Figuren der Erzählung. Mit Hilfe der unterschiedlichen Rollen können sie sich gegenseitig aus der Reserve locken und Reaktionen provozieren.
Die Inszenierung kommt als mobiles Stück mit wenigen Mitteln aus: Ein Arbeitstisch für verschiedene Audioaufnahme- und Klangverstärkungsgeräte sowie Alltagsgegenstände, die prägnante Geräusche erzeugen können. Einfache Lichtmittel wie LED-Schlangen und kleine Lampen sorgen an bestimmten Stellen für eine stimmungsvolle Beleuchtung, eventuell wird auch eine Nebelmaschine eingesetzt. Die Kostüme der Spieler sind an der Arbeitskleidung von Technikern orientiert und geben kaum Rückschlüsse auf die Figuren im Stück.
Im Nachgespräch haben die Zuschauer die Möglichkeit, das Gesehene zu reflektieren. Gemeinsam wird ausgehend von äußeren Elementen wie Bühnenbild, Spielformat (szenisches Hörspiel), Geräuschen/Musik und Schauspiel nach den Themen des Stücks gesucht. Zudem wird die Erlebniswelt der Zuschauer einbezogen: Was beschäftigt sie in ähnlicher Weise, und wie gehen sie damit um?
Regie: Florentine Klepper
Schauspiel: Andreas Schwankl, Benedikt Zimmermann
Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Hamburg