Film “Boalandia” im Lokal Landl
Kino mit dem Kulturklub Rosenheim im Lokal Landl
Am Sonntag den 22. März zeigen wir den Film „Boalândia“ von Mathias Reitz Zausinger. Der Regisseur gibt uns eine kurze Einführung und lädt nach der Vorführung zum Gespräch. Es gibt Caipirinha und Naturwein sowie eine Kleinigkeit zu Essen.
Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Filmvorführung ab 19.30 Uhr und Gespräch.
Bitte reservieren, da die Plätze begrenzt sind.
Mathias Reitz Zausinger:
„Vor vier Jahren haben wir begonnen einen Film über das Filmemachen zu drehen. Eingenommen hat uns die Kraft gelebter Diversität.
Nach vielen Monaten der Recherche in São Paulo und Rio de Janeiro zu Kultur und Aktualität von Straßenkinos, die in Brasilien so lebendig sind, haben Patrik und ich uns entschieden einen Film über diesen Aktivismus zu machen. Straßenkino bedeutet hier, in Brasilien, den Marginalisierten eine Stimme, der strukturellen Gewalt eine Silhouette und vor allem den je eigenen Vorstellungen einer utopischen besseren Zukunft einen Raum zu geben. Das Filmemachen als Raum, in dem die gemeinsamen Träume ausreifen und ansteckend werden
können.
Diesen Film zu machen bedeutet aber auch, soziale Realitäten zu dokumentieren, die blinde Flecken im öffentlichen Gesellschaftsbild sind. Wie das Illegale Roden des Regenwaldes in oder an den Grenzen der terras indígenas oder die Polizeigewalt in den Favelas. In der Zusammenarbeit mit den Kollektiven haben wir aufwühlende Momente miterlebt und viele
Geschichten gehört, die uns tief betroffen gemacht haben. Die letzten Jahre waren aber vor allem reich an Begegnungen und geteilten Momenten mit den Menschen, die unsere Freunde geworden sind.
Menschen, die mit ihrer Stimme, ihrem Ausdruck und ihrem Elan auf improvisierten Bühnen das Selbstbewusstsein einer wachen jungen Generation repräsentieren.
Viele Szenen unseres Films sind in Zusammenarbeit und engem Austausch, mit geteilten Fertigkeiten und geteiltem Equipment entstanden. Daraus hat sich eine Eigendynamik entwickelt und über immer neue Kontakte sind wir Teil eines Netzwerks politischen Widerstands geworden. Diese Eigendynamik führte uns weg von der Beobachtung der Straßenkinos hin zu ganz anderen Orten. Wir haben begonnen mit den Augen unserer Protagonist:innen zu sehen.
Auf diesem Weg stellen sich viele Fragen nach dem richtigen Blickwinkel, dem richtigen Rahmen und den richtigen Bildern. Was bedeutet es als Europäer:innen einen Film in Brasilien, in den Favelas, im Amazonas und in den Peripherien zu drehen? Wie werden wir
den Menschen gerecht, die sich mit allen Mitteln für ihre Anliegen einsetzen? Welche Bühne geben wir den Stimmen? Wie gehen wir mit unserer Verantwortung um? Wie mit der auf uns projizierten Hoffnung und Wut?
Durch die Sensibilität für die Bedeutung unseres zunächst fremden Blicks wurde der Film und das ganze Projekt zum Teil eines Prozesses, den wir am Anfang nur zu beobachten glaubten. Ein utopischer Raum, der die Kraft dieser Bewegung nicht zeigt, indem er das Elend vor Augen führt, gegen das sie sich wendet. So Boalândia wurde notwendigerweise ein politischer Film, der Position bezieht für die Kraft gelebter Diversität.